LIEBE für dich und dein Mitgefühl

22.12.2021

Gefühle sind der Motor für unsere Gedanken. Zuerst entsteht ein Gefühl und danach beginnen die Gedanken, dem Gefühl eine Farbe zu geben. Gefühle mit unseren Gedanken zu bewerten, führt jedoch zwangsläufig dazu, ganz bestimmte Gefühle zu verdrängen.

Es gibt unzählige Arten von Gefühlen und wir kategorisieren und ordnen sie feinsäuberlich in unseren Schrank. Gute kommen in die Schublade Nr. 1, Schlechte will keiner haben und kommen in die letzte Schublade, wenn überhaupt in irgendeine. Und genau das ist das Problem, wenn es diese letzte Schublade nicht gibt, oder diese zu einem Safe geworden ist. Wir haben über viele Jahre hinweg dieses System gelernt, und diese Bewertungsmaschinerie ist zur Gewohnheit geworden. Bereits in der Schulzeit ging es um Noten, im Beruf und beim Sport um höher, schneller, weiter besser. Und so ist auch das ganze Internetgeschäft auf Bewertungen, Likes und Produkttests aufgebaut.

Warum ist Traurigkeit, Wut oder Sorge schlechter als Freude? Warum möchten wir diese Gefühle eher verhindern?

Unsere Gedanken verknüpfen bestimmte Gefühle mit bestimmten Erfahrungen. Das Erlebte aus der Kindheit oder auch danach, nimmt unser EGO sehr gerne nochmal ganz ordentlich in die Mangel und macht daraus bewusst oder unbewusst Geschichten und Dramen. Ich habe ein gutes Beispiel dafür aus meinem Leben. Ich hatte als Kind ein Pony. Nach der Scheidung meiner Eltern kam es dazu, dass dieses Pony verkauft wurde, ohne mich einzubeziehen. Ich kam in den Stall und weg war es. Zuerst dachte ich, es sei wieder mal weggelaufen. Die Aufklärung darüber, dass es verkauft wurde, ließ mich als Kind Traurigkeit und Wut spüren. Zu diesem Zeitpunkt waren da aber eigentlich nur diese beiden Gefühle. Als Kind können wir die Dinge, so wie sie sind, noch viel besser annehmen. Ein Drama habe ich erst später daraus gemacht und meine Gedanken (EGO) haben dieses Drama sehr lange aufrecht gehalten. Selbst dann noch, als ich bereits wieder ein eigenes Pferd hatte. Und wenn ich euch das hier beschreibe, werdet auch ihr vermutlich denken, wie kann man sowas nur machen. Hätte mein Vater damals selbst fühlen können, hätte er dies vermutlich niemals tun können, ohne vorher mit mir zu sprechen. Ihm fehlte damit auch die Fähigkeit mitzufühlen.

Bitte macht euch bewusst, was eure Gedanken in all solchen Fällen mit euch anstellen. Es geht nicht darum, solche Erfahrungen gut zu heißen und sie auch nicht als „nicht so schlimm“ ab zu tun. Es geht darum, eine Erfahrung einmal komplett zu fühlen und anzunehmen um sie dann durch aussprechen loslassen zu können. Halten meine Gedanken diese Erfahrung in einer Schleife gefangen, ohne das Gefühl dazu mitzufühlen bzw. das Gefühl weiterhin zu bewerten, werde ich diesen Widerstand gegen das Gefühl nicht los. Und nur das macht Schmerz. Es ist nicht die Traurigkeit oder Wut an sich. Es ist der Widerstand und der Kampf gegen Gefühle, aus dem wir Schuld und Verurteilung entstehen lassen und uns dann aus Angst vor Ähnlichem verschließen. Das tut weh und erzeugt Schmerz.

Stell dir einen Energiefluss in deinem Körper vor, das kann bildlich ruhig ein richtiger Fluss aus der Natur sein. Deine Energie plätschert fröhlich vor sich hin und dein Fluss ist im Fluss des Lebens. Mal kommt ein Schwimmer, mal ein Dampfer, mal ein Stand-Up-Paddle, mal Hochwasser, mal Niedrigwasser, mal eine Welle. Lass alle Gegebenheiten fließen und versuche nicht sie aufzuhalten. Fühle, wie sich der Dampfer anfühlt, fühle wie sich das Stand-Up-Paddle anfühlt. Nimm einfach nur wahr und erkenne, wann deine Gedanken beginnen sich einzuschalten, ob du den Dampfer oder den Typen auf dem Paddle „unpassend“ in deinem Fluss findest ;-) Wenn du deine Gefühle wahrgenommen hast, geht es im nächsten Schritt darum, diese zu kommunizieren. Durch das Aussprechen sorgst du dafür, gerade wenn es um zwischenmenschliche Erfahrungen geht, dass sich diese im Fluss fortbewegt. Tust du das nicht, beginnst du Widerstand und Kampf aufzubauen. Stell dir vor, wie du wie ein Biber mühsam viele Bäume fällst, um einen Staudamm zu bauen. Und genau in oder vor diesem Staudamm bleibt der Dampfer oder der Typ dann hängen. Prima, nun hast du dieses Teil, dieses Gefühl, eingefangen. Du wirst damit gezwungen, es dir immer und immer wieder anzuschauen, bis du erkannt hast, deinen Widerstand aufzulösen, zu fühlen und dich mutig zu trauen, auszusprechen, was in dir vorgeht und was du genau fühlst und auch denkst. Damit verhinderst du deine innerlichen Staudämme.

Frage dich diese Woche, ob du alle Gefühle in dir aussprechen kannst, wann und wo du welche in dir verborgen hältst, und warum du meinst, das tun zu müssen. Erst wenn du gelernt hast, deine Gefühle wirklich selbst zu fühlen und zu beschreiben was sie mit dir machen, wird es dir gelingen im Außen für andere wahres Mitgefühl zu empfinden. Und auch erst dann bekommst du Mitgefühl von anderen für dich selbst geschenkt.
So wie in deinem Inneren, so begegnet dir alles im Außen ;-)

In diesem Sinne wünsche ich euch gefühlvolle und mitfühlende Weihnachten für ALL eure Lieben und Mitmenschen, auch wenn sie euch den "Dampfer" machen :-)