Gefühle im Flow

Gefühle könnten ein guter Grund dafür sein, warum wir einen physischen Körper haben. Wenn ich ein Gefühl in seiner Gänze zulasse, durchfährt es jede Zelle meines physischen Körpers. Wer kennt es nicht, das Gefühl des Verliebt Seins. Dieses Gefühl im Bauch, im Herzen, auf der Haut. Wir haben gelernt, dieses Gefühl ist ein gutes Gefühl. Genauso verhält es sich mit Freude. Auch dieses Gefühl wird als ein gutes Gefühl beurteilt.

Es gibt unzählige Arten von Gefühlen und wir haben gelernt sie regelrecht zu kategorisieren. Gute kommen in die Schublade Nr. 1, Schlechte will keiner haben und kommen in die letzte Schublade, wenn überhaupt in irgendeine. Wir haben über viele Jahre hinweg dieses System gelernt und es ist zur Gewohnheit geworden. Wir leben in einer riesengroßen Bewertungsmaschinerie. Bei unseren Eltern fing es an, in der Schulzeit ging es weiter, im Beruf, beim Einkaufen, beim Sport, usw. Und das ganze Internetgeschäft ist auf Bewertungen, Likes und Produkttests aufgebaut.

Und darum geht es dein ganzes Leben. Immer gibt es scheinbar irgendetwas, was nicht gut genug ist. Für gute Noten in der Schule bekommst du Geschenke, für schlechte Noten nichts. Als nächstes der Beruf. Warum ist ein erfolgreicher Firmenchef zu sein die bessere Wahl als der Handwerker oder Kellner von nebenan? Oder gar der, der einfach gar nicht arbeitet?

Die Manipulation ist perfekt

Entscheidest du wirklich noch selbst, womit du klar kommst und womit nicht. Mein bestes Beispiel dafür bin ich selbst. Eine Frau ohne Haare ist für viele Menschen so unglaublich bemitleidenswert. Wie viele 100 Male habe ich jetzt gehört, wie schlimm das doch sein muss. NEIN. Es ist nicht schlimm, weil ich mich dazu entschieden habe, es nicht mehr zu bewerten. Es ist wie es ist. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt. Eine klare Entscheidung dafür, was Ereignisse oder eben auch Gefühle für mich bedeuten. Das erste Gefühl und die darauf folgenden Gedanken zu Anfang waren damals: Oh Gott. Ich kriege keinen Mann. Danach: Was ist, wenn ich mal heirate? Keine Hochsteckfrisur? Lustig, dass der 2. Gedanke schon direkt das Problem des 1. Gedanken aufgelöst hat ;-) Und hier seht ihr den eigentlichen Verlauf. Zuerst sind reine Gefühle da, diese erzeugen dann Gedanken, die in solchen Fällen oft zu einer Drama-Geschichte werden, was dann wiederum Gefühle erzeugt. Das Gefühl auf diese Gedanken war, ein "nicht gut genug für diese Gesellschaft zu sein". Getrennt zu sein, von all den anderen, die Haare hatten.

Gefühle wollen gefühlt werden - Schmerz entsteht im Widerstand

Wenn wir uns gegen "schlechte" Gefühle wehren, sind wir im Widerstand und kämpfen gegen sie. Stell dir mal einen Staudamm an einem großen Fluss vor, den du versuchst komplett zu verschließen. Das geht eine ganze Weile gut, bis er irgendwann bricht, weil rein gar nichts mehr abfließen kann. In deinem Leben kommen ständig neue Gefühle an, die du genauso wenig aufhalten kannst. Du verbrauchst 1. in diesem Kampf eine unsagbar große Menge an Energie für den Erhalt der Mauern. Und 2. wird die Zerstörung der Überflutung viel größer sein, als ein kontinuierliches Abfließen. Ohne Wasserschaden kommst du wohl eher nicht davon ;-) An dieser Stelle sollten wir uns auch einmal bewusst machen, wie fließende Gewässer in ihrem Ursprung auf uns wirken.

Wenn wir die Schotten nun doch aber vorerst so dicht verschlossen haben, wird auch kein gutes Gefühl mehr so richtig bei uns ankommen, weil wir auch glauben, dass diese unbewusst verantwortlich für die Schlechten sind. Und die Mauer um unser Herz ist gesetzt. Ein klassisches Beispiel ist ein Partner oder ein Mensch in deinem Leben, den du sehr geliebt hast. Wenn er dich oder du ihn verlässt, fühlt es sich an, als würde dein Herz zerbrechen. Du beschließt nie wieder so zu lieben, damit du diesen Schmerz nicht noch einmal fühlen musst. Das ist reiner Selbstschutz, der dir am Ende jedoch das versagt, was du dir am meisten wünschst.

Wenn du aufhörst zu lieben, wird in der Regel kein Mensch mehr in dein Leben kommen, der dich lieben kann. Du stehst hinter deiner Mauer. Er steht vor deiner Mauer und du wunderst dich, warum du ihn nicht fühlen kannst. Ablehnung im Außen ist oft ein Zeichen für das eigene verschlossene Herz. Resonanz - wie im Innen so im Außen spielt hier eine wesentliche Rolle.

Du bewertest Gedanken und Gefühle, die du dir selbst nicht erlauben würdest

Das ist genau das, was uns meistens sehr wütend macht. Wir schränken uns in vieler Hinsicht sehr ein, obwohl wir meist selbst auch so eine Seite an uns haben, die wir uns eben nicht erlauben auszuleben. Wütend werden wir dann unbewusst auf uns selbst, weil wir zurück stecken und nicht authentisch sind. Eine negative Bewertung für ein Gefühl oder einen Gedanken ist meistens auch Widerstand und wir geraten schnell in den Kampf, das jetzt bitte nicht haben zu wollen.

Was macht es mit dir, wenn ich dir sage: Mein Hund ist gestorben. Ich bin total traurig, aber mir geht's schon wieder gut! Du wirst dich fragen, ob ich nicht mehr ganz "dicht" bin. Ja, im wahrsten Sinne des Wortes, fließt es wirklich aus mir raus. Traurigkeit ist Traurigkeit. Es ist nicht besser oder schlechter als Freude. Und wenn wir lernen, uns nicht gegen Traurigkeit zu wehren, sondern sie genauso zu fühlen, wie Freude, wird sie viel schneller abfließen. Denkt wieder an den Staudamm.

Hilfreich ist an dieser Stelle auch die Erkenntnis, worin der ursächliche Schmerz liegt. So ist es meist nicht einfach nur die Fellnase, die nun fehlt. Sondern es geht oft sehr viel tiefer. Einsamkeit, Mangel an Zuwendung, sich selbst nicht gut genug und ausreichend zu sein. Und oft, das Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden. Wir wollen aber unbedingt gebraucht werden. Weil es mich vermeintlich anhebt, und ich mich so geliebt fühle. Aber das ist nicht echt. Der, der dich braucht, ist im Mangel mit seiner Eigenliebe und befindet sich in emotionaler Abhängigkeit. Und hier sind wir wieder dort, wo wir ständig landen. Eigenliebe :-)

Merke: Gebe dich all deinen Gedanken und Gefühlen hin. Nimm sie an und lass sie fließen. Weinen ist heilsam für deine Seele.

Noch mehr über Gefühle findest du im Mittwochsthema Mitgefühl vom 21.12.2021...