Unsere Ängste sind unglaublich vielfältig und zeigen sich in den unterschiedlichsten Formen. Wir können meistens sofort sagen, ob wir vor bestimmten Tätigkeiten, Ereignissen oder gar Menschen Angst haben. Wir können aber ohne uns ganz genau anzuschauen, nicht immer sofort sagen, was denn die eigentliche, die Urangst ist. So durfte ich aufgrund einer längeren Selbsterkenntnisreise in den letzten Wochen, einmal ganz tief hinter meine Kulissen schauen. Ja, auch wenn sich das Geschriebene von mir immer so leicht anhört, heißt das nicht, dass ich bereits alles schon komplett drauf habe ;-)
Um so schöner ist es, dass ich wieder etwas aus eigener Erfahrung teilen kann, was euch vielleicht inspiriert, auch mal genauer anzuschauen. Ich dachte wirklich, ich bin schon sehr selbstreflektiert, aber mehr und tiefer und vor allem noch ehrlicher geht dann doch immer noch :-) Zu erkennen, welche Ängste wirklich in dir stecken, hilft zu erkennen, wie sehr du gegen dich selbst gehst.
Ich möchte euch heute in kurzer Form einige Urängste und deren Ausdrucksformen vorstellen. Basierend auf dem Prinzip der *Seelenmatrix von Varda Hasselmann und Frank Schmolke.
So gibt es die Urangst vor Unzulänglichkeit, die sich darin äußert, wenn du das Gefühl hast einfach nicht gut genug zu sein. Entweder bist du dann so drauf, dass du auch genau das nach aussen trägst, so nach dem Motto: Ich kann aber auch nix oder bin wieder zu blöd dazu... oder du verdrängst diese Angst und bist der, der nach außen trägt, alles zu können und niemals Fehler macht. Du wirst immer wieder nach Perfektion streben, um dem Gefühl des nicht gut genug seins, zu entkommen.
Die Urangst vor Lebendigkeit äußert sich darin, dass du das Gefühl hast, die Kontrolle über bereits vorhandene oder gerade kommende Dinge, zu verlieren. So nach dem Motto: Freue dich nicht zu früh... es wird bestimmt schief gehen... Du beginnst dich selbst zu sabotieren und zerstörst meist eher unbewusst genau das, was du nicht verlieren möchtest oder so auch gar nicht erst bekommst. Oder du neigst dazu, dich endlos für etwas oder gar einen Menschen aufzuopfern, um z.B. die Kontrolle über seine Hilflosigkeit nicht zu verlieren. Die ständige Kontrolle hält dich jedoch von der Lebensfreude fern, nach der du dich so sehnst.
Die Urangst vor Wertlosigkeit äußert sich darin, dass du dir immer wieder die Schuld für irgendetwas gibst. Und wenn das Maß an Schuld für dich selbst voll ist, neigst du dazu die Schuld bei anderen zu suchen. Das kann sich durchaus auch in Krankheiten äußern, damit du dadurch das Gefühl von Zuwendung und Aufmerksamkeit bekommst. Du bittest nicht gern um Hilfe, sondern erhoffst dir, dass die anderen deine Bedürfnisse erahnen und du dich endlich mal wertgeschätzt fühlst.
Die Urangst vor Unberechenbarkeit äußert sich darin, dass du versuchst dich gegen Veränderungen zu wehren. Du hättest gerne, dass möglichst viel oder alles so bleibt wie es ist. Unsere Pandemie ist ein gutes Beispiel, denn gerade hier ist Unberechenbarkeit ein wirklich großes Thema. Dadurch z.B. verbissen eine bestimmte Meinung zu vertreten macht dich starrsinnig. Mit dem Kopf durch die Wand :-) Oder du bist eine ganze Zeit sehr glücklich und versuchst mit allen Mitteln dieses Glück festzuhalten. Umso mehr du es aber festzuhalten versuchst, umso mehr entgleitet es dir.
Die Urangst vor Mangel äußert sich darin, dass du niemals genug von etwas bekommen kannst. Egal ob es sich dabei um Geld, um Essen in Form von Dicksein oder ganz besonders Dünnsein, um Wissen, um Macht, um Anerkennung oder sonst was handelt. Du steckst dir Maßstäbe, die du eher nicht erreichen kannst, oder du setzt dich ganz unbewusst immer wieder in einen wirklichen Mangelzustand, z.B. gibst du viel mehr Geld aus, als du hast oder du quälst deinen Körper mit viel zu wenig Essen, um mit dem Gefühl nach Gier das Gefühl des Mangels nicht spüren zu müssen.
Die Urangst vor Verletztwerden äußert sich darin, dass du versuchst dich anderen gegenüber zu isolieren und keine Nähe zulassen möchtest. Du baust eine Schutzburg um dich herum. Dadurch entwickelst du eine entweder nur innere oder auch äußere hochmütige, selbstgefällige Arroganz, mit der du dir vormachst, besser als andere zu sein, nur damit du dich unverletzbar fühlst.
Die Urangst vor Versäumnis äußert sich darin, dass du einfach meistens unglaublich ungeduldig bist. Du wirst viele Argumente haben, um deine Ungeduld zu rechtfertigen und du willst meistens alles anders haben, als es gerade ist. Oder das gerade Erreichte erfreut dich immer nur kurz, weil du schon wieder beim nächsten bist. Dadurch entsteht großer Druck, der dich von deinem eigentlichen inneren Bedürfnis nach großer Ruhe erst recht abhält.
Natürlich gibt es viele unterschiedliche Stufen dieser Ängste und nicht alle müssen genauso ausgeprägt sein. In erster Linie hilft es, den Blickwinkel zu verändern und öfter mal über sich selbst und andere zu lächeln. Vielleicht bekommt ihr eine Idee zu euren eigenen Urängsten oder auch zu denen eurer Mitmenschen, und dass sich diese in sehr unterschiedlicher Weise äußern, die erstmal nicht direkt nach Angst aussieht.
- Der klassische arrogante Arschengel ist dann plötzlich der, der eigentlich nur geliebt werden möchte, und die größte Angst davor hat, dass jemand sein Herz verletzen könnte.
- Der starrsinnige Sturkopf möchte doch einfach nur wissen, was kommt und womit er rechnen kann, damit er sich sicher fühlt.
- Der nervige Zappelphillip, der ständig auf die Uhr guckt und dich mit Terminen nervt, will eigentlich einfach selbst nur mal zur Ruhe kommen.
- Der machtgierige viel zu dicke Chef hat in der Tat wirklich große Angst zu verhungern oder gar auf der Straße leben zu müssen und seine Existenz zu verlieren.
- Der Selbstlose und Opferbereite der sich immer wieder selbst beschuldigt oder dich und andere beschuldigt, möchte endlich einmal das Gefühl von Wertschätzung erfahren.
- Der Kollege, der immer alles besser weiß, niemals Fehler macht und das ebenso von dir verlangt, hat eigentlich die größte Angst, nicht gut genug zu sein.
- Dein Pessimistenfreund, der immer schon vor einer Gartenparty den Regen erahnt und sicher weiß, dass das Bier bestimmt nicht reicht, will eigentlich einfach nur mal richtig gut feiern und sich endlich lebensfroh fühlen.
Lehnt euch zurück und schaut mal genauer hin. Lächelt, seid einsichtig und sanft mit euch selbst und den anderen ebenso. Am Ende wollen wir doch alle nur LIEBE. Und um Liebe erfahren zu können, kommen wir in einer Welt der Dualität dann wohl eher doch nicht ohne Ängste aus. Auch wenn ich selbst schon mal geschrieben habe, dass wir Ängste nicht brauchen. Ein geheimer Wunsch ;-) der vermutlich dann erst am Ende unserer Erkundungsreise auf der Erde erfüllt wird :-)))
* Ausführliches findet ihr in den entsprechenden Büchern dazu.